Zwei Tage lang trafen sich über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von verschiedenen Hochschulen und Universitäten aus Österreich, der Schweiz und Deutschland um die Möglichkeiten und Chancen digitaler Lehre unter dem Dach der ASH zu diskutieren. Nach einleitenden Begrüßungsworten durch Prof. Dr. Uwe Bettig, Rektor der Alice Salomon Hochschule Berlin und Ko-Präsident HoGe, zeigten bereits die ersten beiden Keynotes mit den Titeln „Digitalisierung als Strategie zur Hochschulentwicklung“ von Prof. Dr. Zeppenfeld, Präsident der Hochschule Hamm Lippstadt und „Studieren vom Sofa aus“ von Dr. Eva-Maria Beck, ASH Berlin, den weiten Spannungsbogen der Thematik.

Der Fokus des ersten Vortrages von Prof. Dr. Zeppenfeld wies die Digitalisierung als eine deutliche Chance nicht nur in Bezug auf die administrativen Prozesse einer Hochschule, sondern auch im Hinblick auf die methodische Vielfalt der Lehrmethoden aus. Oft könne man sich bereits auf gute auf dem Markt existierende Programme verlassen. Eine Anpassung dieser Programme auf die hausinternen Prozesse in Administration und Lehre sei hierbei unerlässlich und diene darüber hinaus einer Qualitätsentwicklung. Die Untersuchung der Employability der Studierenden nach Abschluss ihres Studiums wird als wichtiger Indikator bezogen auf die Digitalisierungsbedürfnisse der Studiengangsabsolventen angesehen.

Im folgenden Vortrag “Studieren vom Sofa aus“ stellte Frau Dr. Eva Beck den neuen Studiengang an der ASH Berlin „Interprofessionelle Gesundheitsversorgung-online (IGO) B. Sc.“ vor.

Bei dem Konzept „IGO“ handelt es sich um einen berufsbegleitenden onlinebasierten Bachelorstudiengang für Berufserfahrene aus Pflege (Gesundheits- u. Krankenpflege, Gesundheits- u. Kinderkrankenpflege, Altenpflege) und Therapie (Ergo-, Physiotherapie, Logopädie). Der Studiengang ist ausgerichtet auf interprofessionelle Gesundheitsversorgung unter Einbezug der bereits vorhandenen Praxiserfahrungen der Teilnehmer. Durch Online-Basierung bietet er ein größtmögliches orts- und zeitunabhängiges Lernen, neben der beruflichen Tätigkeit und sozialen Verpflichtungen an. Die Studierenden können sich flexibel mit den Dozenten und Kommilitonen zusätzlich zu Lehrveranstaltungen in virtuellen Chaträumen treffen. Dies kommt einer individuellen Lebensplanung sehr entgegen. Es ermöglicht ein Arbeiten in Teilzeit, was heute unter dem Gesichtspunkt der Demographie und des Fachkräftemangels äußerst wichtig ist. Darüber hinaus stärkt dieses Modell die Selbstverantwortlichkeit für ihr eigenes Lernverhalten.

Am Nachmittag fanden dann 3 Workshops parallel zu folgenden Themen statt:

 

Workshop 1: Technologie-basierte ambulante Therapie Dr. Eveline Graf, ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Winterthur (Moderation: Prof. Dr. Barbara Zimmermann, hs21, Buxtehude)

Workshop 2: Dezentrale Reflexion kommunikativer Prozesse in interprofessionellen Online-Seminaren Prof. Dr. André Posenau, hsg Hochschule für Gesundheit, Bochum (Moderation: Prof. Dr. Ursula Walkenhorst, Universität Osnabrück)

Workshop 3: Selbstverantwortliches Studieren mit E-Portfolio bitte eigenes Laptop/Notebook mitnehmen Prof. Dr. Gudrun Faller, Prof. Dr. Anna Mikhof, Frau Inja Klinsiek, Frau Ivana Lukec, hsg Hochschule für Gesundheit, Bochum. (Moderation: Guntram Fink, hsg, Bochum)

Die Themen der Workshops erweckten ein hohes Interesse bei den Teilnehmern, die sich gleichmäßig auf die Gruppen verteilt haben. Die spannenden Diskussionen, die dort angeregt wurden, setzten sich noch am Abend bei einem Come together im Berliner Zentrum fort.

Der zweite Tag der Tagung wurde mit der Keynote 3 „Gesundheitswesen 2040- Utopien und Dystopien der Digitalisierung“ von Herrn Dr. Martin Denz, Medbase, schweizerischer Healthcare-Provider, Winterthur und der Keynote 4 „Virtual Reality in der Ausbildung von Gesundheitsberufen“ vorgetragen und von Herrn Dr. Thies Pfeiffer von der Universität Bielefeld eröffnet. Dr. Martin Denz stellte die Balance zwischen digitalen und analogen Qualitäten mit dem Schwerpunkt Telemedizin vor. Neue Wege würden entstehen, indem man sie geht, alle Risiken einer neuen Methode könne man nicht vorab ausreichend klären.

Herr Dr. Thies Pfeiffer zeigte die technischen Möglichkeiten auf. Er nahm die Teilnehmer in einen virtuellen Behandlungsraum mit. Hier zeigte er am Beispiel des Legens einer Verweilkanüle die Möglichkeiten durch Simulation konkreter Handlungssituationen, praktische Abläufe zu erlernen, auf.

Die anschließende Poster-Session zeigte noch einmal mehr die Vielfalt der Thematik „Digitalisierung“. An 23 Posterständen wurde angeregt mit den Verfassern diskutiert.

Eine kurze Information über das International Journal of Health Profession (IJHP) rundete den Vormittag mit einem Special Call for Papers zum Thema dieser Tagung ab.

Im anschließenden Schlussplenum diskutierten die Podiumsgäste Prof. Dr. Ursula Walkenhorst, Universität Osnabrück, Dr. Martin Denz, Dr. Thies Pfeiffer, Susanne Waldow-Meier und Selamawit Woldai, Studentin der ASH , lebhaft unter der Moderation von Prof. Dr. Peter C. Meyer, Consultant, Zürich, über die Chancen und Risiken der Digitalisierung von Lernen und Lehren.

Hier einige Auszüge der Diskussion, die unterschiedliche Bilder der Digitalisierung im Kopf entstehen ließen- stichwortartig:

  • Können haptische Lernprozesse in virtuellen Räumen erlernt werden, oder bedarf es nicht doch einer analogen Ergänzung, um den nachhaltigen Lernerfolg zu sichern?- Man kann in der virtuellen Welt gleiches tun wie in der realen Welt. Der Vorteil der virtuellen Lernräume oder aber auch der Einsatz von skills labs liegt sicher darin, dass die Studierenden Fähigkeiten erlernen können, ohne Ängste aufzubauen, Fehler zu machen. Sie können so vorbereitet in komplexe Handlungssituationen am Patienten gehen.
  • Digitalisierung kann eine unterstützende Funktion auch im Hinblick auf den Erwerb von sozialen Kompetenzen darstellen. Auf dem „Sofa“ einen ersten Impuls wahrzunehmen, dann aber den Dialog mit Kommilitonen, Dozenten und Kollegen zu suchen.
  • Lernen in der Virtual Reality bietet einen weiteren Mehrwert durch Fokussierung der Teilnehmer auf den vorgegebenen Raum. Die Teilnehmer sind also keinen weiteren störenden Einflüssen ausgesetzt.
  • Aus Sicht der Bildung stellt der Einsatz digitaler Medien einen Unterstützungsprozess dar, ersetzt aber nicht die eigene Reflektion und das didaktische Verständnis. Der eigentliche Lernprozess findet in einem anderen Kontext statt.
  • Was ist der Auftrag im Bildungssystem?- Lernende und Lehrende vorzubereiten in neuen Szenarien zu arbeiten.
  • Ein Hauptrisiko sei der Datenschutz in all seinen Facetten.
  • Die Kraft, die Digitalisierung voranzutreiben, ist nicht nur personen- sondern auch wahrscheinlich von der Größe der Institution abhängig. Die Bereitschaft tradierte Prozesse im Rahmen eines Change Managements zu verändern ist hierbei immens wichtig.

Das Ergebnis der Tagung ist sicher vielschichtig. Kurz zusammengefasst löst die Digitalisierung unsere Probleme nicht, aber digitale Strukturen können sowohl administrative als auch Lehr-, bzw. Lernprozesse unterstützen. In den zwei Tagen wurden in dem Prozess der Digitalisierung deutlich mehr Chancen als Risiken eruiert. Die Digitalisierung sei nicht aufzuhalten, wichtig sei aber die Bedarfe gemeinsam auch interprofessionell zu eruieren. Und letztendlich sei Digitalisierung wichtig in allen Vernetzungsprozessen.

Auch unter dem Aspekt der internationalen Vernetzung stellt das Thema Digitalisierung natürlich ein wichtiges Thema für alle Teilnehmer aus Österreich, der Schweiz und Deutschland dar.

Dies griff Prof. Christiane Mentrup als Vorsitzende der HoGe in Ihren Schlussworten noch einmal auf und freut sich auf die nächste große HoGe-Tagung am 03. und 04.09.2020, wenn die hochschule 21 in Kooperation mit der Akademie für Bildung und Karriere des Universitätsklinikum Eppendorf nach Hamburg zum Thema „Internationale und interprofessionelle Kooperationen in der Bildung im Gesundheitswesen“ einlädt. Auch dort wird Digitalisierung sicher wieder ein Thema sein.

Prof. Dr. Barbara Zimmermann

HoGe, Vizepräsidentin der hochschule 21

Tagung der hochschule für Gesundheit 2018